Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen!

Am 25. Juli findet der reaktionäre al-Quds-Tag statt, welcher jährlich am letzten Freitag des Ramadan die größte Manifestation von (als Antizionismus getarntem) Antisemitismus weltweit markiert. Anlässlich dieses Ensembles diverser antisemitischer Fraktionen, von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, anti-imperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen sowie den regelmäßigen Äußerungen reaktionärer und regressiver Weltanschauungen findet vom 11. Juli bis einschließlich 04. August in Leipzig eine antifaschistische Mobilisierungskampagne gegen einen der bedeutendsten und integrativsten Momente für Antisemit_Innen weltweit statt. Wir freuen uns euch daher die vorläufigen Veranstaltungen mitteilen zu können:

 

Zur Kritik des modernen Antisemitismus und Islamismus im Nahen Osten

Vortrag und Diskussionsveranstaltung mit Hannes Bode

Wann: 11.07. | 19 Uhr

Wo: Raum S 102, Zweigstelle Orientwissenschaften, Schillerstraße 6.

Viel ist in den Medien, aber auch in linken Debatten die Rede von Islamismus und Antisemitismus. Doch nur in den seltensten Fällen wird die Genese des modernen Antisemitismus und des Islamismus im Nahen Osten in den Blick genommen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verorten ist. Ebenso selten wird differenziert, etwa zwischen der Ideologie der Muslimbrüder der 1930er Jahre, derjenigen (postkolonialen) Sayid Qutbs und derjenigen heutiger Jihadisten. Auch wird kaum gesehen, dass der Antisemitismus des iranischen Regimes, dass sich in die Tradition der Schia stellt, wiederum gänzlich anders zu bewerten wäre. Was sind nun aber die Gemeinsamkeiten im Denken der verschiedenen Akteure, und was zentrale Unterschiede? In welcher gesellschaftlichen Situation setzten sich antisemitische Bilder, Zuschreibungen und Denkformen durch? Haben islamistische Ideologie und Antisemitismus im Nahen Osten vielleicht mehr mit kapitalistischer Moderne als mit religiöser Tradition zu tun? Da (historische) Analyse notwendige Voraussetzung von (Ideologie-)Kritik ist, haben wir den Islamwissenschaftler und Historiker Hannes Bode gebeten, im Vortrag auf diese und ähnliche Fragen einzugehen.

Eine Veranstaltung des StuRa Antira-Referats (Universität Leipzig) im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“


Tsahal“ (Claude Lanzmann)

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

Wann: 14.07. | 20 Uhr

Wo: linXXnet, Bornaische Straße 3d

Nach „Warum Israel“ und „Shoah“ drehte Claude Lanzmann 1994 den Film „Tsahal“ und entfaltet darin einen komplexen Blick auf die israelische Armee (Tsava Haganah LeIsrael = Armee zur Verteidigung Israels). Lanzmann versucht den Zugang zur Geschichte und Gegenwart über die Worte der Protagonisten zu vermitteln. Er befragt israelische Militärs, Politiker, Siedler, Palästinenser und Intellektuelle aus der israelischen Friedensbewegung und zeichnet dadurch ein facettenreiches Bild der damaligen Situation. Gerade mit dem Verweis auf die Geschichte der Juden welche von Verfolgung und Vernichtung geprägt ist, beantwortet Lanzmann die Frage nach der Notwendigkeit einer bewaffneten Verteidigungsmöglichkeit Israels in einer Welt des Antisemitismus.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.


Schall & Wahn.

Zur antisemitischen Internationale und dem Nicht-Verhalten einer radikalen Linken.

Mobilisierungs- und Infovortrag des antifaschistischen Bündnisses gegen den Al-Quds-Tag

Wann: 16.07. | 19 Uhr

Wo: Conne Island, Koburger Straße 3

Der al-Quds-Tag, 1979 nach der islamistischen Revolution im Iran etabliert, markiert jährlich die wohl größte Manifestation von sowohl offenem als auch verschleiertem Antisemitismus weltweit. So demonstrieren seit mittlerweile 35 Jahren im Iran, Deutschland, den USA, Großbritannien und anderen Regionen Millionen von Menschen für Zerstörung Israels. Wenn auch das verbindende Element aller Akteure an diesem Tag ihr unverhohlener bzw. verschleierter Antisemitismus ist, so steht der al-Quds-Tag darüber hinaus ebenso für die Anerkennung heteronormativer, patriarchaler Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterrollen. Er ist somit einer der bedeutendsten und integrativsten Momente für die Äußerung reaktionär-regressiver Weltanschauungen von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, anti-imperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen. Weltweit ist dieser Tag mitnichten als simpler Feiertag, sondern vielmehr als politischer Kampftag zu verstehen. Doch warum verhält sich eine radikale Linke fast ausschließlich nicht zu einem Aufmarsch von mehr als 1000 Antisemit_innen? Ist es doch ihre Aufgabe, sofern es sie überhaupt gibt, sich dieser nicht einmal neuen gesellschaftlichen Transformation antisemitischer Artikulationen bewusst zu werden, wenn ihre Losung des kategorischen Imperativs nach Auschwitz nicht zur bloßen Phrase verkommen soll.  „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe“, erfordert über eine theoretische Reflexion hinaus vor allem praktische Konsequenzen im Handeln der Subjekte.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“


be like others“ – Zur Zwangsheterosexualität im Iran

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

Wann: 23.07. | 20 Uhr

Wo: B12 – Wohn- und Kulturprojekt, Braustraße 20

In dem Dokumentarfilm Be like others (2008) von Tanaz Eshaghian werden Menschen im Iran begleitet, die eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Diese seit 1983 durch eine Fatwa Ajatollah Khomeinis erlaubte Praxis wird im Westen häufig als exotische Abweichung von der rigiden iranischen Sexualmoral gehandelt. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird deutlich, dass es sich für die meisten Betroffenen mitnichten um eine Geschlechtsbestätigung, also eine äußere Angleichung an das Geschlecht dem sie sich zugehörig fühlen, sondern um eine brutale Form von Zwangsheterosexualität handelt. Die Mehrheit der Betroffenen sind Homosexuelle, die sich operieren lassen, um mit ihrem Partner unbehelligt zusammenleben zu können. Sie sehen sich somit gezwungen eine Geschlechtsidentität anzunehmen, der sie sich nicht zugehörig fühlen. Im Iran werden homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe verfolgt. Seit der Islamischen Revolution 1979 wurden mehrere Tausend Männer, oftmals öffentlich, hingerichtet. Dies gilt jedoch nicht nur für Männer, so werden ebenfalls sexuelle Handlungen zwischen Frauen mit dem Tode bestraft, jedoch „erst“ bei der vierten Wiederholung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.


Über „Tabubrecher“ und „Israelkritiker“

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard

Wann: 04.08. | 19 Uhr

Wo: Raum S 202, Zweigstelle Orientwissenschaften, Schillerstraße 6

So wahr es ist, daß man den Antisemitismus nur aus unserer Gesellschaft heraus verstehen kann“, schrieb Max Horkheimer 1941 an Harold Laski, „so wahr scheint es mir auch zu werden, daß nun die Gesellschaft angemessen nur durch den Antisemitismus verstanden werden kann.“ Als Horkheimer diesen Gedanken formulierte, hatte er noch die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ vor Augen. Zusammen mit Adorno verfasste er wenig später einen analytischen Text über die Elemente des Antisemitismus, in dem er seine Entdeckung noch zuspitzte: Nicht nur die nationalsozialistische Gesellschaft sei durch die Rolle, die der Antisemitismus in ihr spielte, zu verstehen, sondern das Misslingen von Zivilisation schlechthin. Oft ist der Kritischen Theorie daraufhin zum Vorwurf gemacht worden, sie abstrahiere zu sehr von historischen Besonderheiten, um noch zu differenzierten politischen Urteilen gelangen zu können. In Wahrheit ist das Verständnis der „ursprünglichen Akkumulation“ der Judenfeindschaft die Voraussetzung dafür, deren historisch kontingente Erscheinungsformen erkennen zu können. Eine bloße Tabuisierung verdächtiger Redeweisen verleiht scheinbar mutigen „Tabubrechern“ vom Schlage eines Jürgen Elsässer Anziehungskraft und erteilt all jenen ein Placet, die sich den jeweils angesagten Jargon angeeignet haben und ihre Judenfeindschaft politisch korrekt formulieren. So kann noch die moralische Verurteilung des „ehrlosen Antisemitismus“ der NPD oder der Montagsdemonstranten dem „ehrbaren Antisemitismus“ des „Israelkritikers“ in die Hände spielen.

Philipp Lenhard ist Redakteur der Zeitschrift Prodomo und Mitherausgeber des Sammelbandes Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft (Ça Ira Verlag 2011).

Eine Veranstaltung der Initiative [ Emanzipation & Antifaschismus ]

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