Wochenendseminar des Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig: Die antisemitische Revolte gegen das Abstrakte

Das neu-gegründete Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig, kurz BAAL, lädt am 30.-31.08. zu einem Wochenendseminar ein:

Mit dem aktuellen Aufleben des Konflikts im Nahen Osten hat der Antisemitismus in seiner aktuellen Gestalt, dem Antizionismus, derzeit Hochkonjunktur. In unserem Seminar möchten wir die Grundlagen für eingreifende Kritik daran vorstellen. Der Antisemitismus zeigt sich als wahnhafte Reaktion auf die kapitalistische Gesellschaft. Vor dem Hintergrund, dass gerade marxistische Erklärungsansätze Ideologie einseitig aus der Ökonomie ableiten, wird besondere Aufmerksamkeit der Bedeutung des Staates bzw. der Gemeinschaft in dieser Ideologie gewidmet. Auch für Linke aller Couleur ist er eine attraktive Denkfigur, da er das vermeintlich Gute, das Konkrete, die „wirklichen Menschen“ dem Abstrakten, den unfassbaren Geldströmen und sachlichen Rechtsverhältnissen als positiv gegenüberstellt: Man denke an ein Wahlplakat der „Linken“ zur Europawahl, das graue Bonzen diffamiert, denen Geld aus der Tasche fliegt, und denen eine bunte, basisdemokratische Menge mit Friedenstauben gegenübergestellt wurde.

Die Veranstaltung soll die Form eines Wochenendseminars haben – gemeinsame Textlektüre, Vorträge und Diskussion beinhalten.

Wann?
30.08.2014, 11:00 Uhr bis 18:30 Uhr
31.08.2014, 11:00 Uhr bis 14:30 Uhr

Wo?
Ziegenledersaal in der Uni Leipzig, neben StuRa im Seminargebäude

Gliederung des Seminars:
1. Antisemitismus – Personifikation des abstrakten Moments der kapitalistischen Gesellschaft im Bild vom verschworenen und raffenden Juden – M. Postone, K. Marx
2. Antizionismus – Verdinglichung der sachlichen Herrschaft im Staat Israel – U. Enderwitz, J. Bruhn
3. Umfassende Alltagsreligion der spätkapitalistischen Gesellschaft – D. Claussen, K. Marx

Das Seminar wird geleitet von Martin Dornis und Micha Böhme. Um den Reader zu erhalten, bitte Martin unter folgender E-Mail-Adresse kontaktieren: martindornis [at] googlemail [dot] com

Die Veranstaltung findet sich ebenfalls bei Facebook:

https://www.facebook.com/events/559386274191011

 

Wir sehen uns dort!

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Demonstrationshinweis: Antifaschistische Demo in Halle – Silberhöhe/ 09.08

Am 9. August 2014, 14 Uhr findet am S-Bahnhof Silberhöhe (Halle Saale) eine Demonstration gegen die antiromaistische Hetze der dort ansässigen Bürger_innen statt:

Schnauze in der Platte!
gegen fremdenfeindliche Spießbürger

Bürger_innen aus der Silberhöhe in Halle (Saale) fanden sich vor einigen Wochen im Internet zusammen, um virtuell die Sau rauszulassen und sich mit einer gehörigen Portion Hetze gegen die Roma in ihrer Nachbarschaft von ihrem eigenen kläglichen Dasein abzulenken. Die Signale offiziell anerkannter Autoritäten sind ambivalent und haben bisher noch nicht ausreichend jenes Einverständnis signalisiert, dass die autoritären Charaktere solcher Zusammenrottungen zum Losschlagen animiert. Dennoch kann sich der dortige Mob schnell auch außerhalb des Internets zur Bedrohung entwickeln. Grund genug den Bewohner_innen der Silberhöhe am 9. August 2014 demonstrativ einen Besuch abzustatten und sie als das zu denunzieren was sie sind: Eine widerwärtige Gemeinschaft, die mit ihrer sich in Antiziganismus artikulierenden Fremdenfeindlichkeit eine Projektionsfläche für das eigene gescheiterte Leben voller Elend und Langeweile sucht.

http://schnauzeinderplatte.blogsport.eu/

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organisierte Anreise nach Berlin am 25.Juli

Es sei allen Interessierten der gemeinsame Zugtreffpunkt zur Anreise nach Berlin nahegelegt.

Dieser ist am 25.Juli um 9.30 Uhr auf Gleis 9 des Leipziger Hauptbahnhofs.

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Donnerstag, 17. 07/ 17 Uhr/ Willy Brandt Platz/ Kundgebung: Gegen den antijüdischen Krieg und seine Unterstützer in der deutschen „Friedensbewegung“

Nichts kümmert die „Friedensmacht Deutschland“ (Gerhard Schröder) weniger als die Palästinenser. Wäre es anders, ginge längst ein Aufschrei durchs Land, da abertausende Palästinenser abgeschlachtet und systematisch ihrer elementaren Rechte beraubt werden. Tatsächlich hat sich die deutsche Öffentlichkeit aber längst von der katastrophalen Lage in Syrien abgewendet, wo diese Zustände seit Jahrzehnten herrschen und sich derzeit dramatisch verschärfen.

Ohrenbetäubend wird der Aufschrei in Deutschland und der Welt erst, wenn diejenigen, die Millionen Palästinenser unter dem Joch einer barbarischen Willkürherrschaft halten, geschwächt werden sollen. Eben dieses Ziel verfolgen die israelischen Streitkräfte, wenn sie den Waffenschmuggel in Richtung Libanon und Gaza unterbinden und die terroristische Infrastruktur der Hamas und ihrer Verbündeten zerstören. Israel hat es nicht in der Hand, den Frieden im Nahen Osten herbeizuführen, solange das erklärte Kriegsziel der palästinensischen Hamas, der iranisch gelenkten Hisbollah und etlicher anderer Staaten und Terrorgruppen ist, die Juden zu vertreiben und zu töten. Als einzige demokratische Republik der Region leistet Israel die Sisyphusarbeit, antisemitische Terrorgruppen periodisch zu entwaffnen und abzuschrecken, um ihre Bürger zu schützen. Der in Deutschland mehrheitsfähige Irrwitz will aber, dass allein der jüdische Staat die Macht über Krieg und Frieden in der Region hat, während den Palästinensern jede Verantwortung für ihr Tun und Unterlassen abgesprochen wird. Dabei hat der antijüdische Krieg lange vor der Gründung Israels begonnen und lässt sich nicht aus dessen politischen Maßnahmen erklären. Der erste Höhepunkt dieses Krieges war die Vernichtung der europäischen Juden, woraufhin die Gründung des Staates Israel notwendig geworden ist. Die nächste große Etappe soll die nukleare Vernichtung Israels durch das iranische Regime sein. Der antijüdische Krieg wird erst enden, wenn alle Juden ermordet sein werden – oder der Judenhass endlich auf den Müllhaufen der Geschichte befördert worden ist.

Gegen letzteres arbeitet eine derzeit wiederauflebende deutsche „Friedensbewegung“. Ihre Solidarität gilt keineswegs dem Gros der Leidtragenden des radikalen Islam: den Muslimen selbst, von den Christen und Juden ganz zu schweigen. An der jahrzehntelangen Rechtlosigkeit und brutalen Unterdrückung der Palästinenser durch Syrien und andere arabische Staaten sind die friedensbewegten „Israelkritiker“ gänzlich uninteressiert. Denn deren ganze Energie ist auf die vergleichsweise seltenen Fälle gerichtet, bei denen Palästinenser durch jüdische Einwirkung umkommen. Nur Palästinenser, deren Tod den Israelis angelastet werden kann, werfen in der weltpolitischen Empörungsökonomie etwas für die Diskreditierung des Zionismus und folglich für die Machterhaltung von Hamas und Konsorten ab. Die palästinensischen Machthaber verstärken diesen Effekt, indem sie immer wieder „menschliche Schutzschilde“ installieren und etliche getötete Kombattanten zu Zivilisten umwidmen – und bisweilen sogar die Opfer ihrer politischen Rachefeldzüge den Israelis zuschreiben. Die deutsche „Friedensbewegung“ trägt ihr Scherflein dazu bei, indem sie über solche Kriegsverbrechen, die grassierende Misswirtschaft und den religiösen Terror im Gaza-Streifen schweigt und pflichtschuldig „Kindermörder Israel“ brüllt.

Solch judenfeindlicher Irrsinn ist (nicht nur) im Nahen Osten das größte Hindernis für ein friedliches und solidarisches Leben in Freiheit. In den arabischen Staaten wird jede soziale und politische Emanzipation solange vereitelt, wie antisemitische Kriegshetze die Herrschenden und Beherrschten vereint. Als die iranische Freiheitsbewegung im Jahr 2009 antrat, die treibende Kraft des eliminatorischen Antizionismus zu beseitigen, glänzte die „Friedensmacht Deutschland“ samt ihrer Linken durch Solidaritätsverweigerung und Desinteresse. Es darf also niemanden wundern, wenn die „Friedenspartei“ Die Linke und ihr studentischer Ableger Linke.SDS anlässlich der „Operation Protective Edge“ ihren Beitrag zur Delegitimierung der israelischen Selbstverteidigung und also zur Rettung der angeschlagenen islamistischen Despotie in Gaza liefern.

Zu den aktiven Gegnern einer solidarischen und friedlichen Weltgesellschaft gehört nicht nur der islamistische Wahn gegen Juden und Abweichler selbst, sondern auch eine links daher kommende „Friedensbewegung“, deren Analyse des Weltgeschehens sich in der willkürlichen Personalisierung von überpersönlichen Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen ergeht. Hinzu treten Antiimperialisten rechter und linker Couleur, die den volkstümlichen Verschwörungswahn bedienen, eine herrschsüchtige Ideologie, die ihre antisemitische Stoßrichtung kaum verleugnen kann. Zu den Gegnern der sozialen und politischen Befreiung gehört nicht zuletzt eine Linke samt gleichnamiger Partei, so sie – wie jüngst bei den antisemitischen Ausschreitungen in Frankfurt am Main – neben Islamisten und Faschisten leidenschaftlich für einen „Frieden für Gaza“ streitet. Ein „Frieden“, der einschließt, im Namen der „Selbstbestimmung der Völker“ Juden, Christen, Frauen, Nicht-Heterosexuelle, Oppositionelle und „Ungläubige“ weiterhin unbehelligt unterdrücken und ermorden zu können.

Die Kundgebung richtet sich an alle, die für die Beendigung des antijüdischen Krieges eintreten und davon überzeugt sind, dass Antisemitismus und Antizionismus zu den größten Hindernissen einer solidarischen, friedlichen Weltgesellschaft zählen.

Solidarität mit Israel!
Für die Befreiung Gazas von der Hamas und anderen islamistischen Terrorgruppen!
Für einen atomwaffenfreien Iran!
Für eine solidarische Weltgesellschaft ohne jeden Antisemitismus!

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig

https://de-de.facebook.com/events/477580302386488/?ref=22

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Aufruf des regionalen Bündnis Ost gegen den al-Quds-Tag 2014

Der Al-Quds-Tag und seine konstitutiv-integrale Bedeutung

Der al-Quds (arabisch für Jerusalem)-Tag, 1979 nach der islamistischen Revolution im Iran etabliert, markiert jährlich am letzten Freitag des Ramadan die wohl größte Manifestation von (als Antizionismus getarntem) Antisemitismus weltweit. So demonstrieren seit mittlerweile 35 Jahren im Iran, Deutschland, den USA, Großbritannien und anderen Orten Millionen von Menschen für „die Eroberung Jerusalems“ und Zerstörung Israels. Den Höhepunkt dieses Geschehens markierte 2005 die wahnhafte Forderung Ahmadinejads, des ehemaligen iranischen Staatspräsidenten, als er im Vorfeld des Al-Quds-Tages alle Teilnehmenden und Gläubigen dazu aufrief den jüdischen Staat auszulöschen. Wenn auch das verbindende Element aller Akteure an diesem Tag ihr unverhohlener bzw. verschleierter Antisemitismus ist, so steht der Al-Quds-Tag – auf welchem streng nach Geschlechtern getrennt marschiert wird – darüber hinaus ebenso für die Anerkennung heteronormativer, patriarchaler Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterrollen. Er ist somit einer der bedeutendsten und integrativsten Manifestationen für die Äußerung reaktionär-regressiver Weltanschauungen von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, antiimperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen, vor allem in Deutschland. Weltweit ist dieser Tag mitnichten als simpler Feiertag, sondern vielmehr als politischer Kampftag gegen ihre Feindbilder zu verstehen.

Die iranische Konstitution offenbart die auf Grundlage von Ayatollah Khomeinis Schlüsselwerk „Hokumat-e eslami“ (Der islamische Staat) geschaffene Schizophrenie aus einerseits defensiv-nationalistischer, auf den Erhalt der iranischen Souveränität ausgerichteten Außenpolitik und des andererseits panislamischen, supranationalen Einheitsgedanken, der zunächst auf eine faschistoid-islamistische Hegemonie im Nahen Osten sowie darüber hinaus durch einen sogenannten „Revolutionsexport“ auf eine globale islamische Weltgemeinschaft nach fundamentalistischen, patriarchalen Vorstellungen zielt. Dieser diffus-islamische Einheitsgedanke soll dazu beitragen, die konfessionellen Konflikte innerhalb der verschiedenen Strömungen des Islam zu befriedigen und dadurch eine innere Identität eines streng religiösen Kollektivs herzustellen. Diesem als gemeinsames Feindbild wahlweise gegenübergestellt werden „der Westen“ und weniger abstrakt Israel, welche es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt. Diese mittlerweile zwar vom iranischen Regime latenter formulierte, in ihrer Aggressivität jedoch ungebrochene Rhetorik knüpft gleichzeitig stark an eine „Dritte-Welt-Befreiungsideologie“ mit explizit anti-westlichem Feindbild an, in welcher Israel als dämonischer Besatzer und Unterdrücker erscheint. Bereits hier wird die Verbindung zur globalen antiimperialistischen Linken deutlich. Um den Revolutionsgedanken in die Welt zu tragen und einen totalitären Herrschaftsanspruch zu formulieren wurde der al-Quds-Tag, im Iran und im von der Hisbollah dominierten Libanon etabliert. Seit dem wird dieser mit gigantischen, prestigeträchtigen Paraden zelebriert, im Rest der Welt vor allem von der regimetreuen iranischen Diaspora organisiert. Die Legitimation der Vernichtung Israels findet sich in der ideologischen Kontinuität des modernen europäischen Antisemitismus – die Parallelen zur nationalsozialistischen Ideologie sind offensichtlich. Die Pathologisierung und Stilisierung der Juden als „Fremdkörper“, „Krebsgeschwür“ oder „Schädling in der Volksgemeinschaft“ wurde auf den Nahen Osten übertragen, als Projektionsfläche dient der jüdische Staat als „kleiner Satan“ bzw. Handlanger des „großen Satan“ – den USA. Wahlweise auch in umgedrehter Rollenverteilung. In neonazistischer Manier wird regelmäßig die Shoah relativiert oder geleugnet um die eigene Ideologie zu untermauern. Bis mindestens 2006 fand sich im Teheraner Staatsmuseum eine Ausstellung über den Holocaust mit 200 Karikaturen, die die Shoah teils relativierten, teils sogar ganz abstritten.


Die Akteure und das Geschehen in Berlin

Neben dem Anmelder und Hauptorganisator Jürgen Graßmann tritt als zentralste Organisation seit ihrer Konstitution in Deutschland die Hizbollah-nahe „Quds-AG“ auf, eine Gruppe des Berliner Vereins „Islamische Gemeinde der Iraner in Berlin-Brandenburg e. V.“, der enge Verbindungen zum unter der Führung des iranischen Regimes stehenden Islamischen Zentrum Hamburg (kurz: IZH) pflegt. Diesem fällt ebenso eine zentrale Rolle der Organisation des al-Quds-Tages in Deutschland zu. Das IZH ist dem geistlichen Führer des schiitischen Islam und zugleich Staatsoberhaupt des Iran, Ayatollah Khamenei, unmittelbar unterstellt. Nach einer kurzen Pause ruft das Zentrum seit 2010 wieder offiziell zum Al-Quds-Tag auf. Interessant sind dabei auch die Verbindungen zur Ahl-ul-Bayt Weltversammlung (laut eigenen Angaben ist das IZH dessen deutsche Vertretung), einer iranischen „NGO“, die direkt Khamenei untersteht und nach eigenen Angaben die „Vereinigung der islamischen Nationen zum Widerstand gegen unterschiedliche Verschwörungen und Handlungsabläufe globaler arroganter Mächte“ zum Ziel hat. Eine Brückenfunktion zu nicht-islamischen Organisationen kommt den beiden Delmenhorster Brüdern Gürhan und Yavuz Özuguz zu, beide Betreiber von muslim-markt.de, islamischer-weg.de sowie islam-pure.de. Auf diesen Seiten werden politisch-religiöse Kampfschriften und allerhand polemisch-antiisraelisches Material angeboten.

Die Organisatoren, die auch aus ihrer Homophobie keinen Hehl machen, mobilisieren jährlich zwischen 500 und 1000 Menschen. Der Höchststand wurde 2002 mit über 2500 Demonstrant_innen erreicht. Unterstützung fanden der Anlass und die Demonstration dabei bspw. 2009 vom „Compact“-Herausgeber Jürgen Elsässer, welcher bereits früher als Freund des iranischen Regimes auffiel. Auch bekannte Shoah-Leugner wie Frank-Eckart Czolbe-Senft hielten Redebeiträge und neonazistische Szenestars wie die Musikerin „Dee Ex“ durften bereits auf der al-Quds-Tag Demonstration begrüßt werden. Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich das bei diesen Demonstrationen neben fundamentalistischen Islamist_Innen und neonazistischen Gruppierungen auch antiimperialistische „Linke“ kräftig mitmischen. Doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich: sie alle eint bei allen politischen Differenzen vor allem eins, ihr Antisemitismus. Äußern die einen ihn noch immer unverhohlen als direkten Judenhass, legitimieren die anderen diesen mit ihrer Vernichtungsrhetorik im neuen Gewand, als eliminatorischen Antizionismus. Ob Antiimperialistische Linke, fundamentalistische Islamist_Innen, verschwörungstheoretische Sekten oder neonazistische Kräfte: Sie alle verbindet trotz ihrer offensichtlichen Differenzen ihr Hass auf den jüdischen Staat und eine negative Vergemeinschaftungslogik.


Emanzipation statt paranoidem Wahn

Angesichts dieser erschreckenden Problemlage verwundert es, dass eine radikale Linke, welche sonst bei jedem Naziaufmarsch von auch nur 100 Personen in der ersten Reihe blockiert, sich so schwer gibt mit einem adäquaten Verhalten zum Al-Quds-Tag, bei welchem über 1000 Antisemit_Innen aufmarschieren. Doch woran liegt das? Neben der traditionellen Agitation des direkten Judenhasses und einer Projektion der Kritik auf den jüdischen Staat als eines eliminatorischen Antizionismus verbinden sich diese Elemente von völkisch-nationalistischen und verschwörungstheoretischen sowie religiös-autoritärem Antisemitismus in einer abgeschwächten und abgewandelten Form in der antiimperialistischen Linken mit einer verkürzt-regressiven Kapitalismuskritik. Was auch als struktureller Antisemitismus bezeichnet wird, wird zum integralen Bestandteil der Partizipation. Der Versuch zur negativen Aufhebung der kapitalistischen Gesellschaft richtet sich gegen abstrakte Personengruppen oder Institutionen in der Zirkulationssphäre des Kapitals, sie tendiert immer zur Konkretisierung abstrakter sozialer Mechanismen im Kapitalismus. So wird in paranoid-projektiver Besetzung ein Schuldiger, der hinter den Verhältnissen stehen würde, ausgemacht und wahlweise in den USA, Israel, „dem Westen“, „denen da oben“ oder ähnlichem verkörpert. Zwar wird dieses Prinzip oft nicht als das verstanden, was es ist, nämlich als struktureller Antisemitismus, doch ändert das nichts an seiner Brisanz und Gefährlichkeit. So verwundert es auch nicht, dass sich die Organisatoren des Al-Quds-Marsches in Berlin selbst vom Antisemitismus distanzieren, begreifen sie ihn doch als direkten Judenhass anstatt auch in seiner modernen Form als auf Israel bezogenen. Eine radikal-emanzipatorische Linke muss sich, dieser nicht einmal neuen, gesellschaftlichen Transformation antisemitischer Artikulationen bewusst werden, wenn ihre Losung des kategorischen Imperativs nach Adorno nicht zur bloßen Phrase verkommen soll. „Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe“, erfordert über eine theoretische Reflexion hinaus vor allem praktische Konsequenzen im Handeln der Subjekte. Den Kapitalismus als entfremdendes, unterdrückendes und entrechtendes Herrschaftssystem in seiner Abstraktheit mit den daraus folgenden Mechanismen zu begreifen muss ein erster Schritt sein, dem ein entschlossenes Handeln gegen reaktionäre und menschenverachtende Ideologien folgen muss. Doch ist eine emanzipatorische Kritik keine solche, wenn sie die Form einer „Ein-Punkt-Bewegung-Dagegen“ annimmt und/oder diese Kritik auf Personen reduziert. Trotz aller notwendigen Kritik am politischen Islam, kruden Verschwörungstheorien, neonazistischen Positionen und/oder sexistischem Verhalten bzw. Verhältnissen darf diese Kritik nicht zur Agitationsfläche für rassistische Diffamierungen und Pauschalisierungen abstumpfen. Antifa bedeutet in diesem Sinn eine emanzipatorische Kritik an einer fetischisierenden, warenproduzierenden Gesellschaft samt ihrer ideologischen Kernstücke von Nationalismus und Antisemitismus zu formulieren. Ebenso muss gegen reaktionäre Bewegungen, welche sich die Verwirklichung von Zwangskollektiven auf die Fahnen schreiben, interveniert werden. Wenn sich daher am 25. Juli der antisemitische Mob in Berlin zusammenfindet, muss dieser Aufmarsch verunmöglicht werden!
Genau deswegen:

Gegen jeden Antisemitismus und Sexismus, Rassismus und Homophobie !

Gegen regressive Kapitalismuskritik und Ressentiment-behafteten Antikapitalismus!

Für eine emanzipatorische Assoziation freier Individuen !

 

Kein Al-Quds-Tag in Berlin und anderswo!


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Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen!

Am 25. Juli findet der reaktionäre al-Quds-Tag statt, welcher jährlich am letzten Freitag des Ramadan die größte Manifestation von (als Antizionismus getarntem) Antisemitismus weltweit markiert. Anlässlich dieses Ensembles diverser antisemitischer Fraktionen, von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, anti-imperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen sowie den regelmäßigen Äußerungen reaktionärer und regressiver Weltanschauungen findet vom 11. Juli bis einschließlich 04. August in Leipzig eine antifaschistische Mobilisierungskampagne gegen einen der bedeutendsten und integrativsten Momente für Antisemit_Innen weltweit statt. Wir freuen uns euch daher die vorläufigen Veranstaltungen mitteilen zu können:

 

Zur Kritik des modernen Antisemitismus und Islamismus im Nahen Osten

Vortrag und Diskussionsveranstaltung mit Hannes Bode

Wann: 11.07. | 19 Uhr

Wo: Raum S 102, Zweigstelle Orientwissenschaften, Schillerstraße 6.

Viel ist in den Medien, aber auch in linken Debatten die Rede von Islamismus und Antisemitismus. Doch nur in den seltensten Fällen wird die Genese des modernen Antisemitismus und des Islamismus im Nahen Osten in den Blick genommen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verorten ist. Ebenso selten wird differenziert, etwa zwischen der Ideologie der Muslimbrüder der 1930er Jahre, derjenigen (postkolonialen) Sayid Qutbs und derjenigen heutiger Jihadisten. Auch wird kaum gesehen, dass der Antisemitismus des iranischen Regimes, dass sich in die Tradition der Schia stellt, wiederum gänzlich anders zu bewerten wäre. Was sind nun aber die Gemeinsamkeiten im Denken der verschiedenen Akteure, und was zentrale Unterschiede? In welcher gesellschaftlichen Situation setzten sich antisemitische Bilder, Zuschreibungen und Denkformen durch? Haben islamistische Ideologie und Antisemitismus im Nahen Osten vielleicht mehr mit kapitalistischer Moderne als mit religiöser Tradition zu tun? Da (historische) Analyse notwendige Voraussetzung von (Ideologie-)Kritik ist, haben wir den Islamwissenschaftler und Historiker Hannes Bode gebeten, im Vortrag auf diese und ähnliche Fragen einzugehen.

Eine Veranstaltung des StuRa Antira-Referats (Universität Leipzig) im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“


Tsahal“ (Claude Lanzmann)

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

Wann: 14.07. | 20 Uhr

Wo: linXXnet, Bornaische Straße 3d

Nach „Warum Israel“ und „Shoah“ drehte Claude Lanzmann 1994 den Film „Tsahal“ und entfaltet darin einen komplexen Blick auf die israelische Armee (Tsava Haganah LeIsrael = Armee zur Verteidigung Israels). Lanzmann versucht den Zugang zur Geschichte und Gegenwart über die Worte der Protagonisten zu vermitteln. Er befragt israelische Militärs, Politiker, Siedler, Palästinenser und Intellektuelle aus der israelischen Friedensbewegung und zeichnet dadurch ein facettenreiches Bild der damaligen Situation. Gerade mit dem Verweis auf die Geschichte der Juden welche von Verfolgung und Vernichtung geprägt ist, beantwortet Lanzmann die Frage nach der Notwendigkeit einer bewaffneten Verteidigungsmöglichkeit Israels in einer Welt des Antisemitismus.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.


Schall & Wahn.

Zur antisemitischen Internationale und dem Nicht-Verhalten einer radikalen Linken.

Mobilisierungs- und Infovortrag des antifaschistischen Bündnisses gegen den Al-Quds-Tag

Wann: 16.07. | 19 Uhr

Wo: Conne Island, Koburger Straße 3

Der al-Quds-Tag, 1979 nach der islamistischen Revolution im Iran etabliert, markiert jährlich die wohl größte Manifestation von sowohl offenem als auch verschleiertem Antisemitismus weltweit. So demonstrieren seit mittlerweile 35 Jahren im Iran, Deutschland, den USA, Großbritannien und anderen Regionen Millionen von Menschen für Zerstörung Israels. Wenn auch das verbindende Element aller Akteure an diesem Tag ihr unverhohlener bzw. verschleierter Antisemitismus ist, so steht der al-Quds-Tag darüber hinaus ebenso für die Anerkennung heteronormativer, patriarchaler Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterrollen. Er ist somit einer der bedeutendsten und integrativsten Momente für die Äußerung reaktionär-regressiver Weltanschauungen von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, anti-imperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen. Weltweit ist dieser Tag mitnichten als simpler Feiertag, sondern vielmehr als politischer Kampftag zu verstehen. Doch warum verhält sich eine radikale Linke fast ausschließlich nicht zu einem Aufmarsch von mehr als 1000 Antisemit_innen? Ist es doch ihre Aufgabe, sofern es sie überhaupt gibt, sich dieser nicht einmal neuen gesellschaftlichen Transformation antisemitischer Artikulationen bewusst zu werden, wenn ihre Losung des kategorischen Imperativs nach Auschwitz nicht zur bloßen Phrase verkommen soll.  „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe“, erfordert über eine theoretische Reflexion hinaus vor allem praktische Konsequenzen im Handeln der Subjekte.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“


be like others“ – Zur Zwangsheterosexualität im Iran

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

Wann: 23.07. | 20 Uhr

Wo: B12 – Wohn- und Kulturprojekt, Braustraße 20

In dem Dokumentarfilm Be like others (2008) von Tanaz Eshaghian werden Menschen im Iran begleitet, die eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Diese seit 1983 durch eine Fatwa Ajatollah Khomeinis erlaubte Praxis wird im Westen häufig als exotische Abweichung von der rigiden iranischen Sexualmoral gehandelt. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird deutlich, dass es sich für die meisten Betroffenen mitnichten um eine Geschlechtsbestätigung, also eine äußere Angleichung an das Geschlecht dem sie sich zugehörig fühlen, sondern um eine brutale Form von Zwangsheterosexualität handelt. Die Mehrheit der Betroffenen sind Homosexuelle, die sich operieren lassen, um mit ihrem Partner unbehelligt zusammenleben zu können. Sie sehen sich somit gezwungen eine Geschlechtsidentität anzunehmen, der sie sich nicht zugehörig fühlen. Im Iran werden homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe verfolgt. Seit der Islamischen Revolution 1979 wurden mehrere Tausend Männer, oftmals öffentlich, hingerichtet. Dies gilt jedoch nicht nur für Männer, so werden ebenfalls sexuelle Handlungen zwischen Frauen mit dem Tode bestraft, jedoch „erst“ bei der vierten Wiederholung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.


Über „Tabubrecher“ und „Israelkritiker“

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard

Wann: 04.08. | 19 Uhr

Wo: Raum S 202, Zweigstelle Orientwissenschaften, Schillerstraße 6

So wahr es ist, daß man den Antisemitismus nur aus unserer Gesellschaft heraus verstehen kann“, schrieb Max Horkheimer 1941 an Harold Laski, „so wahr scheint es mir auch zu werden, daß nun die Gesellschaft angemessen nur durch den Antisemitismus verstanden werden kann.“ Als Horkheimer diesen Gedanken formulierte, hatte er noch die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ vor Augen. Zusammen mit Adorno verfasste er wenig später einen analytischen Text über die Elemente des Antisemitismus, in dem er seine Entdeckung noch zuspitzte: Nicht nur die nationalsozialistische Gesellschaft sei durch die Rolle, die der Antisemitismus in ihr spielte, zu verstehen, sondern das Misslingen von Zivilisation schlechthin. Oft ist der Kritischen Theorie daraufhin zum Vorwurf gemacht worden, sie abstrahiere zu sehr von historischen Besonderheiten, um noch zu differenzierten politischen Urteilen gelangen zu können. In Wahrheit ist das Verständnis der „ursprünglichen Akkumulation“ der Judenfeindschaft die Voraussetzung dafür, deren historisch kontingente Erscheinungsformen erkennen zu können. Eine bloße Tabuisierung verdächtiger Redeweisen verleiht scheinbar mutigen „Tabubrechern“ vom Schlage eines Jürgen Elsässer Anziehungskraft und erteilt all jenen ein Placet, die sich den jeweils angesagten Jargon angeeignet haben und ihre Judenfeindschaft politisch korrekt formulieren. So kann noch die moralische Verurteilung des „ehrlosen Antisemitismus“ der NPD oder der Montagsdemonstranten dem „ehrbaren Antisemitismus“ des „Israelkritikers“ in die Hände spielen.

Philipp Lenhard ist Redakteur der Zeitschrift Prodomo und Mitherausgeber des Sammelbandes Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft (Ça Ira Verlag 2011).

Eine Veranstaltung der Initiative [ Emanzipation & Antifaschismus ]

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